Sommer 2020…
Hunting Brothers im Fernseher…
Ein Doku über zwei Brüder und ihre Passion zur Jagd…
Glaube das war der Moment, der letzte Tropfen der das Faß zum überlaufen gebracht hat…
Die letzten, nun schon 6 Jahre, waren sehr turbulent und erlebnisreich. Es ist sehr viel geschehen, die Trennung.. sich weiter entwickeln.. das irren und suchen.. neue Erfahrung und Erkenntnisse.. die Ziele und den Weg stets weiter zu gehen, den man für richtig hält.
Das Wechselmodell funktioniert für uns, es läuft, bin dankbar und glücklich. Aber nun zurück 🙂
Die Anfänge
…als die Doku startet schaue ich gebannt zu. Es lässt viele Saiten in mir erklingen, die ich mir in den Moment noch selbst nicht erklären kann.
Erinnere mich plötzlich an ein paar Sätze von Tamme Hanken der Knochenbrecher, als er im Fernsehen über seine Jugendzeit auf einem großem Bauernhof erzählt, über all die Nutz- und Haustiere, wie Leben und Tod zum Alltag dazu gehörte.
An Erleger Fotos von Fremden auf Facebook im NewsFeed, die statt weiter scrollen ich mir stets einen Moment lang neugierig ansah.
Oder an unsere Hühner in Ungarn aus meiner Kindheit, dass wenn wir Fleisch essen wollten, wir sie auch schlachten mussten.
Die Geschichten meines Vaters aus der Nachkriegszeit im Erzgebirge, als Hungern und Essensmarken zum Alltag gehörten. Und wie meine Großeltern das Glück hatten, Kontakt zu einem Jäger zu haben, durch den sie, ab und an in dieser Zeit, Hase, Wildschwein und anderes Wildbret bekommen haben.
Jagd wirkt auf mich in keinster Weise unnatürlich und ich schaue die Doku fasziniert zu Ende.
Es arbeitet und brodelt in mir. Die nächsten Tage und Wochen sind geprägt von Recherchen.
Schaue mir etliche Filme, Interviews und Dokus auf YouTube an.
Plump angefangen mit: „Was ist Jagd?“
Wie ist es ethisch und moralisch. Die Hundearbeit bei der Jagd, die mich sofort packt. Lerne neue Wörter wie Waidgerechtigkeit oder Jagdliches Brauchtum. Interessenparteien und die Konflikte.. über Traditionen und Kulturgut.
Es formt sich immer mehr ein Bild.
Lerne bald, dass Jagd für viele Schwarz oder Weiß ist.
Und dazwischen gibt es nicht viel Luft…
Es zeigt sich, egal in welchem Lager Du stehst, Du hast immer schwarze Schafe dabei.
Ob es Poser sind oder Schwätzer, die keinen Rücken krumm machen für die Hege.
Oder Über-Ultraschützer, die die Jagd aus dem Zusammenhang reißen und geübt denunzieren.
Lerne die nächsten Monate bei all dem wieder viel über Menschen und über mich selbst.
Noch eine Sache wird ganz schnell klar, für die Jagd braucht man unter anderem den Jagdschein, das „Grüne Abitur“.

Und da ist der Name Programm..
-Wildkrankheiten, Versorgen & Verwerten von Wild
-Waffen und Munition
-Haarwild
-Federwild
-Jagdliche Praxis
-Jagdhunde
-Land- und Waldbau, Wildhege
-Naturschutz
-Waffenrecht
..beinhaltet der Lernstoff und ohne jagdlichen oder beruflichen Background, wie Landwirt, Hundetrainer, Metzger etc. ist das am Anfang zum Teil extrem viel Neuland. Was aber alles mit Fleiß machbar ist, hier gilt sprichwörtlich: „von Nichts kommt Nichts“.






Der Jagdschein ist zudem kein Erste Hilfe Kurs, es kostet eine Menge Geld. Angefangen von 2 Wochen Schnell Kursen bis zu 1 jährigen Jungjäger Kursen bei den Kreisjägerschaften.
Der Jungjägerkurs
Mittlerweile ist es September und ich finde heraus, dass bei Kreisjägerschaft Heinsberg vor 2 Wochen der neue Jungjägerkurs gestartet hat. Bin aufgeregt, es wäre sehr viel Geld, habe noch viel vor im Haus, für die Kinder, aber es wäre seit Jahren der Knapp- und Sparsamkeit das erste mal, was ich für mich mache und ich spüre wie etwas in mir aufgewacht ist und es wirklich richtig will.
Bespreche es abends mit meiner Lebensgefährtin, sie untersützt und bekräftigt mich, steht hinter mir. Es ist klar, dass es uns beide viel Zeit und Kraft kosten wird. Am Ende teilweise vier bis fünf Abende in der Woche Unterricht, Schießtraining und die Abende dazwischen lernen.
Am nächsten Morgen schicke ich eine E-Mail an den Geschäftsführer der Kreisjägerschaft. Und nach ein paar Tagen bangen kann ich schon in der selben Woche, Sonntag Vormittag mit auf den ersten Reviergang.
So beginnt es und in der folgenden Woche haben wir noch ein paar mal Abendschule, bis wieder die Corona Zahlen steigen und die Beschränkungen zuschlagen.
Nach ein zwei Monaten Dornröschenschlaf zieht die Kreisjägerschaft das ganze um und wir treffen uns online zum lernen.
Bis wir dann im Frühjahr langsam wieder raus dürfen. Es beginnt das Schießtraining in geteilten Gruppen und der praktische Unterricht an der Waffe.
Vom ersten Tag am Tontaubenstand mit null Treffern und viel Verzweifeln, Bangen und Hoffen, vergehen die Wochen bis zu den Prüfungstagen.
Ob es das Alter ist, lach, oder einfach bis dato schwerste und meist investierte an Zeit und Geld, glaube ich, war ich noch nie so nervös vor einer Prüfung.
Die schriftliche ist am Ende doch noch das Einfachste und bestanden die Voraussetzung fürs weitermachen bei den Schießprüfungen. Als Nervenbündel klappt eine Disziplin nach der anderen und die ersten drei muss Tontauben von 10 sind kein Problem. Die vierte und einfachste Elfmeter Tontaube versemmel ich dafür gnadenlos, aber egal es ist geschafft, und Nummer fünf klappt dann auch wieder. 😊
Letzter Prüfungstag die mündlich-praktische, tja.. was soll ich sagen, ich habe gelernt, das weiß jeder zuhause. Von der Scheibe und Gewaff.. Benjeshecke.. Trichinen.. Widergang.. Schonzeiten etc. etc.
Hatte ich als erstes in der Prüfung “Ente“.. nun da hatte ich dermaßen viel auf die üblichen Verdächtigen gesetzt und alles bis zu den Zahnformeln gelernt, dass ich plötzlich fast nicht wissend da stand und jetzt bis an mein Lebtag nicht vergessen werde, dass die Beine die Ruderer und die Füße die Latschen sind 😊
Letztlich hat aber auch alles geklappt und all das lernen hat sich gelohnt.

Die Jagd
Nur ein Wort, aber dennoch eine dermaßen große Vielfältigkeit und für jeden eine eigene Interpretation dahinter.
Von Einsamkeit und Stille bis gemeinschaftliches Erleben und Kameradschaft.
Vom Brauchtum und Traditionen bis Forschen neuer Wege und der Hege für die nächsten Generationen.
Menschen vom jüngsten bis zum ältesten.
Die Arbeit mit den Hunden, Greifen, Aufzucht von Gelegen, Wildtierrettung oder Wildtier Entnahme.
Gelebtes gestern, heute und morgen.
Das sind Facetten der Jagd.
Bei uns 20 Jungjäger gab es viele unterschiedliche Motivationen für die Jagd.
Denke Jagd ist sehr subjektiv.
Und für manche auch gar nicht mehr nachvollziehbar.
An dem Punkt habe ich lange gegrübelt bzw. mache es immer noch.
Ist es wie mit den Querdenkern während Corona, können oder wollen manche es nicht so sehen.
Ist es wie wir selbst als Kinder aufwachsen, wie wir geprägt werden, in unserem Umfeld und Blase?
Mein Eindruck ist, dass manche die Natur vermenschlichen, romantisieren oder den Bezug zur ihr einseitig verloren haben. Natur ist nicht nur schön, sie ist auch grauenvoll. Es sind nicht nur schöne Instagram Bilder vom Sonnenuntergang oder von Fuchsmama mit Welpen, sondern auch Fuchs mit Staupe oder Räude. Oder ein Bambi mit Kulleraugen ist auch mal eine Mahlzeit für Wildschweine.. und.. und.. und..
Ebenso auch die verlorene logische Konsequenz oder Verständnis derer, dass wenn man Fleisch essen möchte, dafür auch ein Leben genommen werden muss.
Habe versucht, das Bild derer zu verstehen, die die Jagd ablehnen, aber überzeugen konnte es mich nicht.
Mit der Jagd schließt sich für mich ein Kreis.
Sehe und erkenne immer mehr Pflanzen, Bäume, Tiere, Vögel, sowie Geräusche bei Tag und bei Nacht. Lerne und verstehe die Zusammenhänge, nicht mehr nur als stiller Außenstehender sondern als Teil von etwas ganzem.
Noch nie habe ich mich der Natur und dem Leben näher gefühlt.
Zum Leben gehört der Tod. Ich kann die Natur ebenso lieben, schützen, pflegen, wie ihr auch was entnehmen.
Es erinnert mich an Naturvölker, Eingeborene, Indigene. Menschen die von und mit der Natur leben. Mit Respekt und Ehrfurcht.
Es ist eine Reise, die erst begonnen hat, aber die mich schon vieles über mich und über die Welt um mich gelehrt hat und die noch ganz viele Entdeckungen und Neues bereithält. Es ist wunderbar und ein Privileg, dass wir die Freiheiten und die Möglichkeiten haben, unsere Wünsche ausleben zu können.
Fazit:
Du wirst, egal in welchem Bereich, solche und solche Menschen antreffen. Deshalb bleib unabhängig, Du bist gut, wähl selbst aus mit wem Du Dich umgeben willst und mit wem Du Deine Zeit verbringst.
Verschiedene Meinungen sind ok und Deine Ansicht ist Deine ganz persönliche. Missionieren klingt schon nach einem Makel und kommt von den lautesten.
Auch wenn Du heute noch nicht die eine große Passion gefunden hast. Die Puzzleteilchen werden sich eines Tages zusammenfügen. Mach das, was Dir gut tut und was Dir gefällt und lass Dich davon lenken.
Bis bald wieder 🙂 Ferenc
